24.07.2021

Covid-19-Pandemie trifft ohnehin schon benachteiligte Bevölkerungsgruppen stärker

Die Covid-19-Pandemie trifft ohnehin schon benachteiligte Bevölkerungsgruppen stärker – das gilt auch für Betroffene mit Migrationsgeschichte. Metin Kaya, migrationspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft, sagt: „Aus anderen Ländern gab es schon im Sommer 2020 Berichte von Krankenhauspersonal darüber, dass sich People of Colour häufiger mit dem Coronavirus infizierten als weiße Personen.“ Die Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft hatte daher schon im Juni 2020 eine schriftliche kleine Anfrage an den Senat dazu gestellt, welche Daten von Infizierten erhoben wurden (Drucksache 22/558). Heraus stellte sich: Die Datenlage zu den Faktoren, die mit Infektionen zusammenhängen, ist bei den Behörden mehr als dünn: Sie existiert nicht. Kaya sagt dazu: „Besonders verletzliche Gruppen müssen auch besonders geschützt werden. Dazu müssen entsprechende Informationen anonymisiert und zumindest stichprobenartig erhoben werden. Sonst wissen wir nicht, welche Gruppen besonders schutzbedürftig sind und welche Maßnahmen greifen. Und jetzt wird das Thema vom rechten Rand instrumentalisiert, um gegen migrantische Menschen zu hetzen. Das ist unerträglich. Der Senat hätte das verhindern können, wenn er frühzeitig entsprechende Daten gesammelt und Maßnahmen eingeleitet hätte. In über einem Jahr Pandemie ist das aber nicht passiert und ich frage mich wirklich, warum.“

Die Gründe für die augenscheinlich höhere Infektionsrate können laut Kaya vielfältig sein. So zählen sowohl soziale Gründe dazu als auch ökonomische: „Wir wissen zum Beispiel, dass migrantische Menschen häufiger in schlechter bezahlten Jobs arbeiten als ihre weißen Mitbürger:innen. Darüber hinaus verschärft COVID-19 die finanzielle Situation benachteiligter Gruppen“, so Kaya. Natürlich habe das vielfältige Folgen: Menschen mit geringerem Einkommen lebten meist auf weniger Wohnraum zusammen, das erschwere den Infektionsschutz. Der Arbeitsschutz sei oft ungenügend. Ebenso erschweren Sprachbarrieren es Menschen, sich mit den ständig wechselnden Infektionsschutzbestimmungen vertraut zu machen. Kaya fordert: „Hier sehen wir klaren politischen Handlungsbedarf. Wir fordern, dass der Senat anonymisiert Daten darüber erhebt, welche Gruppen von der Pandemie warum stärker betroffen sind – und was dagegen getan werden kann. Eine gute Sozialpolitik überlässt nicht einfach bestimmte Bevölkerungsgruppen der Pandemie.“

Metin Kaya

Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (MdHB) Fraktion DIE LINKE

Alle Beiträge ansehen von Metin Kaya →